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Galerie für Zeitgenössische Kunst
Karl-Tauchnitz-Straße 9-11
D-04107 Leipzig

Büro 0341 - 140 81 0
Kasse 0341 - 140 81 26
Fax 0341 - 140 81 11
Email office@gfzk.de

Öffnungszeiten
Di-Fr 14:00-19:00
Sa-So 12:00-18:00
Beide Ausstellungshäuser sind barrierefrei.

Eintrittspreise
GfZK-1, GfZK-2: 5€/3€
GfZK-1 + GfZK-2: 8€/4€

Auftrag für die Kunst?

Wer vergibt heute (überhaupt noch) einen Auftrag an Kunst und KünstlerInnen? Wie viel Freiheit braucht Kunst? Wie steht es mit ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung? Oder darf Kunst nur sich selbst verpflichtet sein? Welche Aufgaben haben Kunstinstitutionen? Diese und ähnliche Fragen stellt sich die Galerie für Zeitgenössische Kunst 2010. Das Programm widmet sich dem gesellschaftlichen Auftrag von Kunst bzw. ihrer Institutionen im Spannungsfeld zwischen Autonomie, gesellschaftlichem Gestaltungsanspruch und Vereinnahmung. Im Vordergrund steht der gesellschaftliche Stellenwert von Kunst, von KünstlerInnen und Kunstinstitutionen. In verschiedenen Modulen, die als Fragestellung und nicht als Schlussfolgerung zu verstehen sind, wird jeweils ein Fokus auf mögliche Aufgaben der Institution als Mittlerin zwischen künstlerischen Agenden und gesellschaftlichen Anforderungen gelegt. Da sich letztere nicht auf das Feld der Kunst beschränken, handelt es sich um einen interdisziplinären Ansatz: Kunst verbindet sich unter anderem mit Bildungsfragen, Ökonomie und auch mit Kulturpolitik.

Einen besonderen Schwerpunkt stellt 2010 das Projekt „Neue Auftraggeber“ dar: Gruppen, die ein Interesse an Kunst haben, artikulieren ihre Erwartungen an Kunst und KünstlerInnen und tragen diese an die Galerie für Zeitgenössische Kunst heran. Dabei kann es sich um Vereine, ArbeitskollegInnen, DorfbewohnerInnen etc. handeln. Die Institution nimmt dann die Rolle des Mediators an und schlägt einen Künstler oder eine Künstlerin für die jeweilige Aufgabe vor. Der Künstler bzw. die Künstlerin entwickelt Vorschläge und bringt seine/ihre Interessen und professionellen Erfahrungen ein. Im Idealfall lernen sich die PartnerInnen nicht nur wechselseitig besser kennen; sie tauschen ihre Erwartungen und Vorstellungen aus und widmen sich gemeinsam der Realisierung eines Anliegens.

Modul: Das Museum als Partner?
Unter >Das Museum als Partner?< werden Kooperationsformen zwischen Privaten und der GfZK, die ideelle und monetäre Dimensionen gleichermaßen umfassen, erprobt. Dabei werden Fragen nach dem Verhältnis von öffentlichen und privaten Interessen gestellt.

Modul: Das Museum als Mediator?
Unter >Das Museum als Mediator?< wird zwischen künstlerischen Positionen und heterogenen Publikumsinteressen vermittelt und danach gefragt, welche strukturellen und programmatischen Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit das Museum überhaupt als Mediator fungieren kann

Modul: Das Museum als Korrektiv?
Unter dem Stichwort >Das Museum als Korrektiv?< werden Um- bzw. Neubewertungen von künstlerischen Positionen vorgenommen und Debatten über Kriterien des Sammelns von Kunst sowie über verschiedene Konzepte von Qualität geführt. Dabei wird auch und vor allem nach der Definitionsmacht des Museums gefragt.

Modul: Das Museum als Förderer?
>Das Museum als Förderer?< adressiert die fördernde Rolle der Institution, vor allem in Bezug auf den künstlerischen und kuratorischen Nachwuchs. Dieser Punkt umfasst jedoch auch die Förderung eines gesellschaftlichen Verständnisses von Kunst.

Modul: Das Museum als Unternehmer?
Der Modul >Museum als Unternehmer?< widmet sich den Geschäftsbetrieben des Museums, wie etwa Buchladen, Museumsshop, Hotel und Café und diskutiert dabei alternative Konzepte des Wirtschaftens. Modul: Das Museum als Erzieher? >Das Museum als Erzieher?< untersucht die Möglichkeiten kultureller Bildung unter besonderer Berücksichtigung der Kinder- und Jugendarbeit und fragt danach, inwieweit das Museum an (s)einen tradierten Bildungsauftrag anschließen kann und inwieweit es selbst in der Lage ist, neue Bildungsansätze zu entwickeln.

Bis 2001 lag der Programmschwerpunkt der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig auf Wechsel-ausstellungen. Heute ist die GfZK ein Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst und ein Museum für Kunst nach 1945, das nationale und internationale künstlerische Positionen zeigt und vermittelt. Die einzelnen Funktionsbereiche haben sich seit 2004 weiter ausdifferenziert. Zu den Wechselausstel-lungen treten jährlich wechselnde Sammlungspräsentationen; es gibt eine öffentlich zugängliche Bibliothek, Vorträge, Workshops, Buchpräsentationen und eine Vermittlungsabteilung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit eigenem Ausstellungsraum. Wir v/ergeben Stipendien und zwei Preise, einen für künstlerisch-grafische Gestaltung und einen für junge KünstlerInnen aus europäischen Ländern. Das Café und der >gfzk garten< wurden und werden von KünstlerInnen konzipiert und gestaltet.

Mit dem Projekt >Kulturelle Territorien<, das der Rolle von Kunst und Kultur in anderen postkommunistischen Ländern nachging, begann eine öffentliche Debatte über die Vergangenheit Ostdeutschlands, über die gesellschaftliche Relevanz der gezeigten Kunst und deren lokale und globale Rolle. In der Folge widmeten wir uns dem Erbe der Moderne (>Heimat Moderne<, >Schrumpfende Städte<) und dem Stellenwert künstlerischer Kritik in verschiedenen politischen und ökonomischen Systemen (>dagegendabei<). Im Jahr 2007 gingen wir unter den Schlagworten des kollektiven und individuellen kulturellen Gedächtnisses den Möglichkeiten der Kunst im Zusammenhang mit Erinnerungspolitik nach, fragten aber ebenso nach der gesellschaftlichen Verfasstheit der künstlerischen Mittel selbst. In den Jahren 2008 und 2009 haben wir mit dem Projekt >Carte Blanche< privates Engagement in der Kunst in den Mittelpunkt unserer Untersuchungen gestellt.